In den Nachrichten

Beitrag unserer Partnerin und Rechtsanwältin Brigitte Münch der am 28. Nov, 2019 in der Handelszeitung, Special KMU, erschienen ist.

Meine Daten – wer gut ist, wird belohnt!

Der kritische Verbraucher von heute wird seine Anbieter auch danach auswählen, wie sicher seine Daten sind und wofür sie verwendet werden.

Vertrauen
Die Konsumenten sind beim Thema Datenschutz immer kritischer. Wer heute schon Sicherheit vermittelt, hat einen Wettbewerbsvorteil.
BRIGITTE MÜNCH. Für viele Unternehmen ist das Thema Datenschutz und seine Umsetzung im täglichen Geschäft ein Fass ohne Boden. Insbesondere mit der Anwendbarkeit der EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) seit Mai 2018 hat das Thema in der Schweiz neue Schubkraft erhalten. Die EU-Standards gelten auch für Schweizer Unternehmen, die eine Niederlassung in der EU haben und personenbezogene Daten verarbeiten oder Produkte beziehungsweise Dienstleistungen in der EU anbieten. Derzeit wird in der Schweiz über das Schweizer Datenschutzgesetz und dessen Konformität mit den europäischen Standards diskutiert, was zu grossen Meinungsverschiedenheiten führt. Nach einer Lösung, die auch von der EU als adäquat zum Schutzniveau der EU-DSGVO anerkannt werden wird, wird noch gesucht. Doch Kunden sind bereits jetzt sensibilisiert. Unabhängig von der gesetzlichen Entwicklung rückt der Umgang mit den eigenen Daten bei Konsumenten immer mehr in ihren Fokus – und kann stärker als bisher zum Unterscheidungsmerkmal im Markt werden. Schon jetzt beziehen Konsumenten bei der Auswahl ihrer Dienstleister den Umgang mit den eigenen Daten als Entscheidungskriterium mit ein: Wie verarbeitet meine Krankenkasse oder mein Mobilfunkanbieter meine (sensiblen) Daten? Wo werden meine Daten gespeichert? Werden sie mit Daten an anderen Stellen kombiniert und ausgewertet? Und werden sie ausreichend geschützt oder gelangen sie an Stellen, die keinen Zugang haben sollten und sie sogar missbrauchen könnten? Der Kunde evaluiert seine Anbieter unter neuen Gesichtspunkten. Um die rechtlich und tatsächlich komplexer werdenden Strukturen als Chance und Wettbewerbsvorteil für sich zu nutzen, sollten Unternehmen die sichere Verarbeitung der Daten in ihrem Betrieb proaktiv regeln. Die richtigen Fragen zu stellen und das Bewusstsein für den verantwortungsvollen Umgang mit Daten zu schaffen, ist der Anfang dafür.
Erste Schritte zum Datenschutz. Der erste Schritt ist, sich einen Überblick zu verschaffen: Welche Arten von Daten werden im Unternehmen verarbeitet und wie? Woher stammen sie und wer hat Zugriff? Verarbeitet meine Firma nur solche Daten, die wirklich benötigt werden? Wann werden diese wieder gelöscht? Solche Grundfragen gelten für alle Firmen gleich, unabhängig von Grösse und Branche. Auch denke man nicht nur an personenbezogene, sondern auch an sensible geschäftliche Daten wie Finanzzahlen, Patente oder andere Geschäftsgeheimnisse. Die Sensibilität dieser Daten muss je nach der Tätigkeit gewichtet werden; so sieht die Datenverarbeitung in Spitälern anders aus als bei einem Online-Shop. Mit den richtigen Fragen und einer Bestandsaufnahme können Prioritäten gesetzt und Schritt für Schritt das Bewusstsein im Unternehmen geschärft sowie notwendige Prozesse implementiert werden. So wird die Nutzung notwendiger Informationen als wichtiges Gut sichergestellt und ihr Schutz dient als Abhebungsmerkmal im Markt.
Brigitte Münch, Partnerin und Rechtsanwältin, LEANmade AG.